Wein einfach erklärt

Colfondo, der ursprünglichste Prosecco

Hügel von Valdobbiadene Prosecco DOCG

Trüb, hefig und mit einem Hauch Brotkruste in der Nase, Colfondo hat mit dem glasklaren Prosecco aus dem Supermarktregal nur noch die Rebsorte gemeinsam. Wer nach dem eigentlichen, historischen Prosecco sucht, landet früher oder später bei genau dieser fast vergessenen Stilistik.

Was ist Colfondo?

Colfondo, italienisch für mit Bodensatz, bezeichnet Prosecco, der nach der ältesten bekannten Methode der Region hergestellt wird. International ist die Methode auch als Sui Lieviti oder Sur Lie bekannt, beides bedeutet sinngemäß auf der Hefe. Im Unterschied zum bekannten Prosecco aus dem Drucktank, der sogenannten Charmat-Methode, durchläuft Colfondo seine zweite Gärung direkt in der verschlossenen Flasche, ganz ohne moderne Tanktechnik.

Wie wird Colfondo hergestellt?

Nach der ersten Gärung reift der Grundwein über den Winter in großen Glasballons. Im Frühjahr, meist zwischen März und April, wird der Wein abgefüllt, während noch geringe Mengen an Zucker und Hefe vorhanden sind. Sobald die Temperaturen steigen, erwachen die Hefen erneut zum Leben und setzen die Gärung in der Flasche fort, dabei entsteht die charakteristische, meist recht feine Perlage. Anders als bei den meisten anderen Schaumweinen wird Colfondo danach weder degorgiert noch filtriert, die Hefe bleibt als sichtbarer Bodensatz vollständig in der Flasche zurück. Verschlossen wird meist mit einem klassischen Kronkorken.

So schmeckt Colfondo

Colfondo der ideale Einstieg für alle, die glauben, bereits jeden Prosecco zu kennen. Colfondo schmeckt deutlich rustikaler und komplexer als klassischer Prosecco. Statt der gewohnten, klar fruchtigen Apfel- und Birnenaromen treten Noten von Hefe, Brotkruste und einer gewissen Erdigkeit in den Vordergrund. Die Perlage wirkt gröber und weniger anhaltend, dafür ist der Wein meist trocken und deutlich weniger auf Süße ausgelegt als viele konventionelle Prosecco-Varianten.

Trinken kann man Colfondo grundsätzlich auf zwei Arten. Wer einen klaren Wein bevorzugt, lässt die Flasche vor dem Öffnen einige Zeit aufrecht stehen, damit sich die Hefe am Boden absetzt, und schenkt anschließend vorsichtig ein, ohne den Bodensatz aufzuwirbeln. Wer dagegen den vollen Charakter erleben möchte, schüttelt die Flasche vor dem Öffnen leicht auf. Dadurch wird der Wein bewusst trüb, zeigt aber zusätzliche Aromen von Brotkruste, Hefe und einer intensiveren, fast schon würzigen Textur.

Geschichte von Colfondo Prosecco DOCG

Lange Zeit fristete Colfondo ein Nischendasein außerhalb der offiziellen Klassifikation. Seit 2019 wurde die Kategorie Sui Lieviti offiziell in das Regelwerk des Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG aufgenommen, in der einfacheren DOC- und der Asolo-DOCG-Klassifikation war sie bereits zuvor zulässig. Die entsprechenden DOCG-Weine müssen mindestens 90 Tage auf der Hefe reifen und dürfen ausschließlich als Brut Nature, also ohne jede Restsüße, in den Verkauf gelangen.

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